Spendenaufruf - Prothesenmuseum

Spendenaufruf 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Geschichte der Endoprothetik ist untrennbar verbunden mit dem Namen des deutschen Chirurgen Themistocles Gluck. Er entwickelte schon um 1890 die ersten Endoprothesen aus Elfenbein und implantierte diese auch. Er ist damit der erste Chirurg, der jemals eine Gelenkendoprothese eingesetzt hat. Aufgrund der fehlenden Asepsis sind diese Versuche zwar wegen der entstehenden Infektionen gescheitert; aber das Prinzip der Endoprothetik nimmt von hier seinen Ausgang. Erst fünfzig Jahre später wird die Idee der Endoprothetik ganz langsam wieder aufgegriffen. Diese Implantate aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhundert sind prinzipiell den Elfenbeinprothesen von Gluck gar nicht unähnlich, aber aus anderen Werkstoffen gefertigt.

Erst nach der bahnbrechenden Idee von Sir John Charnley, Polymethylmetacrylat, den sogenannten Knochenzement, zur Verankerung der Endoprothesen zu verwenden, begann die umfangreiche Entwicklung verschiedener Gelenkprothesen und der Siegeszug der Endoprothetik.

Prof. Dr. Hans Wilhelm Buchholz, der Gründer der ENDO-Klinik, begann schon zu seiner Zeit im Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in den frühen 60iger Jahren nach einem Aufenthalt bei Charnley ebenfalls endoprothetisch zu arbeiten. Zusammen mit Herrn Dr. Eckart Engelbrecht hat er Prothesen für alle großen Gelenke des menschlichen Körpers entwickelt und zusammen mit seinen Mitarbeitern in sehr hohen Stückzahlen eingesetzt. Es ist nicht übertrieben, Buchholz als Nestor der deutschen Endoprothetik hervorzuheben.

Seit der Gründung der ENDO-Klinik 1976 sind zehntausende von Operationen durchgeführt worden, darunter auch viele Austauschoperationen. Alle bei diesen Eingriffen explantierten Prothesen sind archiviert worden. Immer wieder haben wir diskutiert, wie man die Explantate nutzbringend analysieren könnte. Wir glauben jetzt eine sehr gute Antwort auf diese Frage gefunden zu haben.

Die seit 1976 bis zum heutigen Tage gesammelten Prothesen repräsentieren praktisch die gesamte Geschichte der Endoprothetik. In keinem anderen Krankenhaus der Welt liegt ein solcher Schatz und wartet darauf gehoben zu werden. Wir beabsichtigen deshalb, mittels der Prothesen die Geschichte der Endoprothetik zu dokumentieren, zu analysieren und schließlich in Form einer ständigen Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Prothesenmuseum soll Patienten und Ärzten anschaulich die verschiedenen technischen Entwicklungsstufen verdeutlichen. Es wird in der neuen ENDO-Klinik seinen Platz finden. Darüber hinaus sind Leihgaben an das neu geschaffene Medizinhistorische Museum am UK Eppendorf denkbar. Zusätzlich ist auch eine Dokumentation in Buchform geplant.

Dafür sind umfangreiche Arbeiten erforderlich. Zunächst müssen die Prothesen gesichtet und eine Auswahl getroffen werden. Die Prothesen müssen identifiziert, sortiert, aufbereitet und analysiert werden. So können sowohl Fortschritte im Design als auch in der Materialkunde aufgezeigt werden. Es wird auch deutlich werden, dass manch alte Idee nach Jahrzehnten als wieder neu verkauft wird.

Diese Arbeiten soll ein Doktorand leisten, der bei Prof. Dr. Schmiedebach am Institut für Medizingeschichte der Universität Hamburg promovieren wird. Eine solche Arbeit ist nur mit Unterstützung durch Drittmittel möglich. Ich denke, dass Sie als Prothesenträger ein Interesse an der dauerhaften Präsentation der so hilfreichen Prothesen haben und bitte Sie sehr um Ihre Unterstützung, damit wir das Projekt verwirklichen können.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen im Namen des gesamten Vorstandes eine schöne Vorweihnachtszeit und ein friedvolles Weihnachtsfest. Vor allem wünschen wir Ihnen Gesundheit und Glück für das kommende Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Christian Friesecke
Vorstandsvorsitzender

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Flyer zum Weihnachtsspendenprojekt 2010:
Das Prothesenmuseum