Orthopädische Klinik, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Ein aktuelles Fallbeispiel soll das Projektziel veranschaulichen. Einer 51jährigen Patientin wurde bei fortgeschrittener Arthrose des rechten Kniegelenks eine Totalendoprothese eingebaut. Zum Operationszeitpunkt hatte die Patientin einen Arthroseschub mit Ruheschmerzen, Schwellung und Überwärmung des Kniegelenks. Trotz regelrechter Implantatlage und komplikationsloser Wundheilung verschlimmerten sich die Beschwerden nach der Operation, das Bewegungsausmaß verringerte sich von 90° auf 60°. In den Kontrolluntersuchungen fiel ein zunehmender Tiefstand der Kniescheibe auf, welcher für die Bewegungseinschränkung verantwortlich gemacht wurde (Abb. 1a).

Abb. 1
Nach abgeschlossener Schrumpfung des Kniescheibenbandes erfolgte eine Wechseloperation mit Teilentfernung der Kniescheibe und Änderung der Gelenklinie, so dass das Kniescheibenband effektiv verlängert wurde (Abb. 1b).
Trotz nachfolgender intensiver Physiotherapie verbesserte sich das Bewegungsausmaß nicht. Nach Ausschluss einer Infektion durch Punktion, Laborparameter und Szintigraphie erfolgte eine arthroskopische Entfernung der Vernarbungen, die zu einer Zunahme der Beugefähigkeit führte. In den folgenden Wochen nahm das Bewegungsausmaß trotz Physiotherapie wieder sukzessive ab und beträgt zur Zeit nur 60°.
Die Patientin leidet unter einer Arthrofibrose des Kniegelenks, welche durch die Implantation der Endoprothese verursacht worden ist. Eine mögliche Ursache dafür könnte der ungünstige Operationszeitpunkt während einer Entzündungsphase sein.
Im Rahmen des Projektes wird daher untersucht, ob der Entzündungszustand des Kniegelenks während der Implantation einer Endoprothese ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Arthrofibrose ist. Dazu wurden während der Operation Proben aus der Gelenkschleimhaut und der Gelenkflüssigkeit von bislang 224 Patienten entnommen und die klinischen Scores sowie das Bewegungsausmaß vor und 6 Monate nach Operation ermittelt.
Das Alter der Patienten entsprach sowohl in der Verteilung als auch im Mittelwert von 69 ± 10 (33 – 88) Jahren einem repräsentativen Krankengut für den endoprothetischen Kniegelenksersatz.

Der die Funktion des Kniegelenks repräsentierende Knee Society Score (KSS) betrug vor Operation im Schnitt für den objektiven Anteil 37 und für den funktionellen Anteil 44 Punkte (Summe 81 Punkte). Er verbesserte sich signifikant auf 79 Punkte für den objektiven und 64 für den funktionellen Anteil (Summe 143 Punkte, p<0.001) (Abb. 2).
Der eher allgemeine Parameter der Einschränkung des täglichen Lebens widerspiegelnde WOMAC Score verbesserte sich von präoperativ 57 Punkte auf 24 Punkte nach Operation. Im Detail verbesserten sich die Unterscores für Schmerzen von 7 auf 3, für die Steifigkeit von 5 auf 2 und für die Funktion von 44 auf 19 Punkte.
Von den 224 Patienten hatten 30 (13.4 %) eine Einschränkung des Bewegungsausmaßes auf unter 90° und erfüllten damit das am weitesten gezogene Kriterium einer Arthrofibrose. Nach der enger gefassten Definition der Arthrofibrose (Streckdefizit >10°, Beugung <70°) hatten nur 8 Patienten (3.6 %) dieses Krankheitsbild.
Es werden bis zum Erreichen einer ausreichenden Fallzahl für eine verallgemeinerbare statistische Aussage fortwährend Patienten in die Studie eingeschlossen und die klinischen Ergebnisse erhoben.
PD Dr. med. Georg Matziolis, Prof. Dr. med. Carsten Perka

